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Freitag der 13.

Themenbereich Unterhaltsames

Geschrieben von ANO am 28.05.2016

Mut zu Brille, Brille tragen ist nicht schlimm

Meine Mutter trug ihre Brille eigentlich nur gelegentlich und so gut wie nie in der Öffentlichkeit. Irgendwann begann sie ihre Brille öfter zu tragen und vereinbarte für sich und für mich einen Termin beim Augenarzt.
Da ich schon selbst bemerkt hatte, das ich in der Schule manchmal Schwierigkeiten hatte etwas von der Tafel oder vom Projektor zu erkennen, ahnte ich schon, dass ich auch eine Brille bekommen würde. Ich hatte eigentlich nichts dagegen, aber ich hatte Angst wegen der Brille geärgert zu werden, dass mich die Brille behindern und sie mir nicht stehen würde. Wer will schon mit zwölf eine Brille? Allerdings war ich nicht der erste in meiner Klasse der eine Brille bekam.

Ich hoffte zumindest die Brille nicht ständig tragen zu müssen, aber die Augenärztin stellte fest, dass mein linkes Auge schon etwas stärker kurzsichtig war als das ebenfalls kurzsichtige rechte. Außerdem hatte ich eine Hornhautverkrümmung auf beiden Augen, so dass mir gesagt wurde, ich müsse die Brille eigentlich immer tragen. Auch wurde mir in Aussicht gestellt, dass ich wahrscheinlich schon bald stärkere Gläser bekommen würde.
Auch meine Mutter brauchte stärkere Brillengläser. Wir verließen die Praxis mit zwei neuen Rezepten und vereinbarten, das ich meine Brille immer dann aufsetzen würde, wenn meine Mutter ihre auch trug. Da sie ihre nicht immer trug erschien mir dies akzeptabel.
Entgegen meinen Erwartungen fand ich nach langer Suche eine Fassung, die mir sogar gefiel und die ich mir mit Gläsern durchaus auch für ständig an mir vorstellen konnte.

Nun war ich sogar etwas neugierig auf die Brille und konnte kaum erwarten bis sie endlich fertig sein würde.

Abholen konnten wir unsere Brillen an einem Freitag den 13.!
Meine Mutter ließ ihre neue Brille gleich auf und so musste ich aufgrund unserer Vereinbarung meine auch gleich aufsetzen. Irgendwie wirkte die Brille auf mich fremd, mein Aussehen fand ich aber akzeptabel. Ich musste allerdings zugeben, dass ich damit viel besser sehen konnte, auch wenn alles etwas verkleinert war und manche Dinge irgendwie andere Formen angenommen zu haben schienen. Ich behielt die Brille bis zum Abend auf und stellte fest, dass ich viel schlechter sehe, wenn ich sie kurz abnahm. Später im Bett hatte ich das Gefühl die Brille noch aufzuhaben, obwohl ich sie abgenommen hatte.
Am folgenden Samstag setzte ich die Brille gleich am Morgen auf und wir gingen einkaufen. Dort trafen wir auch etliche Bekannte und Nachbarn. Entgegen meinen Erwartungen sagten die meisten gar nichts zu unseren Brillen. Dann trafen wir eine Mitschülerin von mir, die auch eine Brille trug. Die fragten sofort, seit wann ich denn eine Brille tragen würde und wollten alles mögliche dazu wissen. Nachdem alle Fragen beantwortet waren begrüßte man mich mit einem Lachen im "Brillenclub".
Als wir nach Hause kamen sprach uns nochmal eine Nachbarin auf meine Brille an und meinte, dass heute ja so viele Kinder eine Brille tragen müssten und dass es doch schlimm wäre wenn man schon so früh eine Brille braucht.
Irgendwie ärgerte mich das und ich antwortete , dass mich
m e i n e Brille überhaupt nicht stören würde und ich froh wäre das ich sie habe, weil ich mit ihr richtig gut sehen würde. Unbewusst hatte ich mich zum ersten mal zur Brille bekannt. Aus der Brille war m e i n e Brille geworden.
M e i n e Brille merkte ich zwar immer noch, aber nun
w o l l t e ich sie auch immer tragen und mich schnell an sie gewöhnen, obwohl ich immer noch Zweifel hatte ob das klappen würde.
Am Sonntag ging es mit m e i n e r Brille schon etwas besser und ich wollte sie auch am Montag in der Schule ganz selbstverständlich aufhaben. Für den Fall blöder Sprüche hatte ich mir alle möglichen Antworten, die ich für schlagfertig hielt, zurecht gelegt.
Am Montag morgen ging ich dann ganz selbstverständlich mit Brille zur Schule und ließ sie auch den ganzen Tag über auf.
Es gab zwar ein paar Fragen, aber die meisten sagten gar nichts. Meistens interessierten sich andere Brillenträger für m e i n e Brille und ich fühlte mich da gut verstanden.
Nach diesem Tag konnte ich m e i n e Brille gelassen und selbstbewusst tragen. Schon ein paar Tage später störte mich die Brille überhaupt nicht mehr und nach ein paar Wochen merkte ich sie kaum noch. Auf einmal fühlte ich mich ohne Brille unvollkommen, ich vermisste sie auch an mir, nicht nur weil ich ohne sie inzwischen wirklich schlecht sah und mir gar nicht mehr vorstellen konnte keine Brille aufzuhaben.
Es war zwar an Anfang nicht einfach, aber ich habe nie bereut, das ich damals den Mut zu Brille hatte und bewusst
B r i l l e n t r ä g e r geworden bin.

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