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Sehen mit dem Gehirn - Die genaue Funktion

Könnte das Gehirn ohne Augen sehen?

Man sagt, das Gehirn interpretiere die Bilder, welche das Auge ungefiltert an es sendet. Der eigentlich Sehvorgang läuft demnach in unserem Gehirn ab. Sehen mit dem Gehirn - wie genau läuft diese Interpretation ab? Und welche Erkenntnisse können die Augenforschung und die Neurologie dazu liefern? Entlang des Sehnervs laufen Nervenimpulse zur primären Sehrinde auf der gegenüberliegenden Seite des Gehirns. Abhängig vom Bild, welches auf die Netzhaut fällt, stiegt oder fällt die Aktivität in diesem Bereich. Das Gehirn reagiert in der primären Sehrinde, so die Augen Forschung, bevorzugt auf ganz bestimmte Reize. Strahlt man mit einer Lampe in das Auge, entsteht ein eher niedrige Aktivität im Sehrindenbereich des Gehirns. Nur wenige Neuronen reagieren. Sehr aktiv ist das Gehirn mit seinen Neuronen allerdings bei Kontrasten, oder einer Kante sowie dem Übergang von Hell zu Dunkel. Hohe Aktivität im Gehirn entsteht bei schwarz-weißem Karomuster. Das Bild wird in der Sehrinde laut Augenforschung jedoch nicht nur wahrgenommen, sondern auch verteilt. Die höheren Hirnregionen empfangen diese zerstückelte Information und analysieren sie nach verschiedenen Inhalten.Spezielle Zentren im Gehirn sind für eigene Aspekte des Bildes zuständig. So ermittelte die Augenforschung, dass es wichtig ist, wo sich das wahrgenommene Objekt befindet und welches Objekt überhaupt vom Auge wahrgenommen wird. Das Gehirn ist jedoch kein dezentralisiertes Fachabteilungs-Netzwerk, sondern vielmehr ein komplexes System, in welchem tausende verschiedener Verarbeitungsschritte gleichzeitig ablaufen. Zusätzlich tauschen die unterschiedlichen Abteilungen pausenlos miteinander Informationen aus.

Studien der Augenforschung haben jedoch zwei unterschiedliche Verarbeitungswege unterschieden können. Informationen, welche das Auge aufnimmt, werden in einem Was-Pfad und einen Wer-Pfad aufgeteilt. Die beiden Wege führen in unterschiedliche Bereiche des Gehirns. Die Augen Forschung fand heraus, dass es etwa eine Viertelsekunde dauert, bis das Gehirn alle Was und Wo Aspekte und Informationen aus dem Bild ermittelt hat.Wie diese verschiedenen Aspekte zu einem Gesamteindruck kombiniert werden, ist allerdings noch immer nicht bekannt. Aus den Erkenntnissen der Augen Forschung weiß man, dass unser Gehirn kein hierarchisches System ist, welches über ein oberstes Zentrum verfügt. Man weiß sogar mittlerweile, dass die höheren Gehirn-Regionen auch Impulse an die primäre Sehrinde zurücksenden können, gleich einer Rückkopplung oder Verstärkung. Die bewusste Wahrnehmung durch die Augen und das Gehirn wird somit erst möglich.

Das Gehirn interpretiert Bilder

Die Sehbahn führt von der Netzhaut aus über den Thalamus zur Sehrinde. Dort werden die Bilder jeweils seitenverkehrt zur anderen Gehirnhälfte weiter geleitet. Das Auge mit einer Kamera zu vergleichen, ist irreführend. Denn das Gehirn bewirkt mit dem Sehen des Auges zusammen eine umfangreiche und komplexe Art der Informationsverarbeitung. Ein dynamisches System und ein ständiges Austausch führen zu der Wahrnehmung der Umwelt, wie wir sie kennen. Das Gehirn, so bestätigt die Augenforschung, macht auch eine Anzahl verschiedener Annahmen. Perspektivisches Sehen beispielsweise zeigt, dass ein Objekt, welches sich entfernt, nicht kleiner wird, sondern nur das Bild davon schrumpft. Demnach kann das Gehirn auch falsche Interpretationen liefern.

Visuelles Sehen kann mit einfachen Mitteln irregeführt werden. Wenn ein Bild im Gehirn entsteht, stellt das visuelle System einen Vergleich an. Die Augen Forschung zeigt, dass einzelne Objekte miteinander verglichen werden, wobei eines der beiden Objekte als Referenz ausgewählt werden muss.



Die Augenforschung ermittelt die genauen Vorgänge des Sehens. Wie die aufgenommenen Informationen durch das Gehirn interpretiert, und wie sie weitergeleitet werden.
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